Der Kurs in der Village Clinic Chyangmityang (Teil 3)

Am ersten Unterrichtsmorgen sind 17 (!) Teilnehmer pünktlich zur Stelle.

Es wird die grundsätzliche Hygiene im Alltag besprochen. Wo kommen Krankheiten her, wie kann man vorbeugen? Es geht lebhaft zu; Poster werden gezeichnet, Fragen gestellt. Phuri Lama übersetzt bildhaft und lebendig.

Als Ergebnis der Diskussion stellt sich heraus, dass es gut wäre, wenn jeder Haushalt einen Eimer mit

Wasserhahn nur für das Händewaschen bekäme. Solche Eimer stehen für Touristen auf den Trekkingtouren immer bereit – die Menschen vor Ort brauchen sie mindestens genau so nötig. Maximal 50 Eimer werden benötigt, die in Nepal pro Stück etwa 1,50 € kosten. Wir möchten das als Vereinsspende an das Dorf anregen.

Pasang Sherpa, der Onkel Phuri Lamas, bringt zur Pause große Kannen mit gesalzenem Buttertee und Kekse. Auch die Kinder, die von nun an jeden Tag zahlreicher erscheinen, werden bedacht.

Die folgenden zehn Tage laufen ähnlich ab. Trotz schlechtem Wetter kommen alle 17 Teilnehmer jeden Tag pünktlich zur „Village Clinic“.

Morgens 7.00 Uhr werden kurz die Themen des Vortages wiederholt und offene Fragen beantwortet.

Wir behandeln die Themen „Wunden“ – beginnend mit Blutungs- und Verletzungsarten – und praktischen Übungen, wie Puls tasten, Druckverbände anlegen etc. Ausführlich wird die Schocksymptomatik besprochen und die stabile Seitenlage geübt. Ein nächstes Thema sind „Frakturen“ – Arten, Besonderheiten, Ruhigstellung, wieder mit praktischen Übungen. Viele Fragen kommen zu Wirbelsäulenverletzungen.

Die Themenkomplexe „Verbrennungen“ und „Erfrierungen“ nehmen breiten Raum ein, da in den meisten Häusern am offenen Feuer gekocht wird und vor allem Kinder schlimme Verbrennungen erleiden.

Zu wenig warme Kleidung hat oft Erfrierungen zur Folge. Viele haben nur die Gummipantoletten an den nackten Füßen, ganz gleich, ob es Frost und Schnee hat.

„Wurmerkrankungen“, „Diarrhöe“ und „Vergiftungen“ – jeweils Symptome, Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten: wann muss man sich auf den Weg zum Arzt nach Phaplu machen?

„Alkohol, Drogen, Rauchen“; auch (oder gerade!) in einem abgelegenen Dorf eine nicht zu unterschätzende Problematik.

Von Tag zu Tag kommen auch mehr Patienten, denn es hat sich herumgesprochen, dass ein „german doctor“ vor Ort ist. Vom Kleinkind bis zu Greis; vom verfaulten Zahn, über Bronchitis bis zur akuten Wundversorgung. Auffällig, dass die Patienten nicht klagen, sie beschreiben die Beschwerden, wollen wissen, was sie haben und was man tun kann.

Mit Tashi ordne und putze ich das Behandlungszimmer. Wir gehen die Bestände an Materialien und Medikamenten durch, schreiben auf, was fehlt und sprechen über die häufigsten Krankheiten und was sie tun kann. Besonders über die Sauberkeit sprechen wir jeden Tag, einfach, weil es jeden Tag neu nötig ist.

Für den letzten Tag haben wir mit Phuri Lama Fragen erarbeitet, um eine Rückinformation zum Kurs zu bekommen. Danach wollen wir die Teilnahmezertifikate überreichen. Als wir an der „Village clinic“ ankommen, ist zu unserem Erstaunen noch niemand erschienen. Das ändert sich bald und wir sehen auch, warum alle etwas später kommen: die schönsten Festkleider haben sie an! Große Kannen mit Getränken werden hochgetragen, eine klapprige Stereoanlage angeschleppt – dann erleben wir gerührt ein richtiges Fest. Nach der Übergabe der Zertifikate singen und tanzen die Sherpa-Frauen, die Hindu-Frauen tanzen zur Musik aus dem Lautsprecher. Dankesreden werden gehalten, wir bekommen Seidenschals (von den Buddhisten) und Blumenketten (von den Hindus) umgehängt; sie sollen jeweils Glück bringen.

Phuri Lama und Teilnehmer mit den Zertifikaten

Unsere Fragen zum Kurs werden von allen sehr ausführlich beantwortet. Es stellt sich heraus, dass sie gern einen weiteren Lehrgang besuchen würden, wo all die angesprochenen Themen vertieft werden und neue hinzukommen. Phuri Lamas exzellenter Übersetzung verdanken wir sicher sehr viel – er hat so anschaulich erklären können, dass wir wirklich viel Wissen vermitteln konnten. Auch das vorher zusammengestellte Büchlein mit Kopien und Zeichnungen zu den einzelnen Themen erwies sich als sehr hilfreich.

An diesem Tag besuchen wir nachmittags noch die Dorfschule. Auch sie wurde mit Hilfe des Vereins erbaut. Seit dem letzten Herbst sind die Klassenzimmer mit Dielen und Deckenverkleidung ausgestattet und es gibt richtige Schulbänke. Stolz zeigt der Lehrer, der auch unseren Kurs besucht hatte, die Unterrichtsmaterialien. Er unterrichtet in drei Klassenzimmern parallel, was wohl ganz gut funktioniert Klassenzimmern parallel, was wohl ganz gut funktioniert.

Im Klassenzimmer der Schule in Chyangmityang

Verbessert werden muss hier dringend die hygienische Situation. Die Schultoiletten müssen sauber und in Ordnung gehalten werden. Die Wasserleitung muss repariert werden, damit alle Kinder auch die Hände waschen können.

Sinnvoll wäre sicher, die Gebäude mit elektrischem Strom zu versorgen und den Fußboden im Lehrerzimmer zu sanieren.

Es gibt noch viel zu tun und wir werden wiederkommen. Das versprechen wir beim Abschied in Chyangmityang.