Der Weg nach Chyangmityang (Teil 2)

In einer Regenpause beginnen wir am nächsten Morgen unseren Aufstieg zum Dorf Chyangmityang auf etwa 2600 m. Etwa fünf Stunden Marsch und ein ca. 3500 m hoher Pass liegen vor uns.

Träger begleiten uns, da wir nicht nur Ausrüstung für vier Wochen dabei haben, sondern auch Lehrmaterialien für den Kurs und kleine Geschenke vor allem für die Kinder im Dorf. Ausgewaschen sind die Wege, zum Teil abgerutscht und schlammig. Wir sind froh um Bergstiefel und Wanderstöcke und bewundern mal wieder die Kunst, mit der die Träger die Lasten nur mit Gummipantoletten an den Füßen balancieren. Oben am Pass angekommen ereilt uns ein neuerlicher Regenguss, den wir in einer Hütte abwarten. Die ist im Inneren voller Rauch, da das offene Feuer keinen richtigen Abzug hat, aber es ist halbwegs trocken.

 

Nachmittags erreichen wir unser Dorf und bauen mit Phuri Lama zügig unser Zelt auf, bevor es – na klar! – wieder anfängt zu schütten.

Anderntags unternehmen wir einen Erkundungsgang zur „Village clinic“(ca. 2800 m), die unser Verein vor fünf Jahren errichtet hat. Die Bausubstanz hat unter den Klimaverhältnissen erheblich gelitten. Wasserleitung und Heizung funktionieren nicht. Die Solaranlage ist zum Glück noch funktionsfähig. Der Anbau ist unvollendet geblieben.

Die kleine Ambulanz wird seit 2008 in kommunaler Verantwortung geführt. Hier, in diesen Räumen, soll der Kurs stattfinden.

Rainer und ich kamen im letzten Herbst auf diese Idee, als wir mit dem Verein zur Jubiläumsreise (10 Jahre Mountain Spirit Deutschland) das Dorf besuchten. Die Bewohner werden medizinisch nur unzureichend betreut. Bei Erkrankungen oder nur zur Diagnostik haben sie unseren Weg über den Pass nach Phaplu zu bewältigen, also etwa fünf Stunden Fußmarsch. Schwerkranke müssen getragen werden. Unser Gedanke war, ihnen über Gesundheitsfragen im Alltag mehr Wissen zu vermitteln, sie auch zu befähigen, manche Krankheit zu vermeiden oder sie selbst sinnvoll zu behandeln.

Nach den 200 Höhenmetern Aufstieg begrüßt uns Tashi. Sie ist gerade in der Ausbildung und derzeitiger „healthworker“ vor Ort. Das Wartezimmer richten wir als Unterrichtsraum her, putzen und bereiten die Materialien vor, dann warten wir auf die angemeldeten Teilnehmer, um Ablauf und Zeitplan des Kurses zu besprechen. - - Lange tut sich nichts.

Am späten Nachmittag kommen nach und nach acht Teilnehmer den Berg herauf. Mit ihnen besprechen wir Stoffplan und Unterrichtszeiten. Morgens 7.00 Uhr soll es losgehen, da viele Familie haben, Feldarbeit bewältigen müssen und am besten die Vormittagsstunden nutzen können. Es ist eine lebhafte Stunde und ein erster positiver Eindruck.

Im nächsten Wolkenbruch steigen wir alle zusammen zum Dorf ab.