Sprechstunde im Himalaya

Nach dem Unterricht ist jeweils Sprechstunde. Schnell hat sich herumgesprochen, dass der „German doctor“ wieder im Dorf ist. Bis zu 1000 Höhenmeter Aufstieg nehmen die Patienten auf sich – das ist sehr beeindruckend.

 

Wir halten die Sprechstunde gemeinsam ab, weil der „healthworker“ wegen seiner Zwischenprüfungen insgesamt nur einen Tag im Dorf ist. Wieder sehen wir das ganze mögliche Spektrum der Erkrankungen, von der Nabelinfektion beim Neugeborenen über Abszesse in der Mundhöhle, Hautinfektionen aller Art, Augenerkrankungen, Gelenk- und Rückenschmerzen, Kopfschmerzen bis hin zum fraglichen Tumor.

Vieles kann Rainer nur symptomatisch behandeln, weil eine differenzierte Diagnostik gar nicht möglich ist. Einen Nagelbettabszess muss er ohne Betäubung spalten, weil kein Lokalanästhetikum mehr da ist.

Sind keine Patienten da, bringen wir den Behandlungsraum in Ordnung und aktualisieren die Statistik. Von einem anderen Kollegen bekam Rainer sehr gute Container, die vorläufig noch unsterile Materialien beinhalten, in Zukunft aber zum Sterilisieren und Aufbewahren der Instrumente gedacht sind. Dem „healthworker“ schreiben wir lange Zettel mit Handlungsanweisungen.

Schon letztes Jahr hat uns sehr beschäftigt, dass die „Village clinic“ nicht kontinuierlich besetzt ist; die „healthworker“ wechseln halbjährlich, oft ist niemand vor Ort. Unsere Idee ist, mindestens zwei Frauen aus dem Dorf zu finden, die eine 18-monatige Ausbildung ermöglicht bekommen und per Vertrag an die „Village clinic“ gebunden werden. Das würde Kontinuität schaffen, Patienten hätten die Sicherheit einer Minimalversorgung.

Am letzten Kurstag stellen wir wieder unsere Evaluierungsfragen und erfahren, dass wir natürlich wiederkommen sollen und ein spezieller Kurs für Frauen gewünscht wird – so ist für April 2012 die Fortsetzung eingeplant.

Diesmal regnet es nicht bei der Übergabe der Zertifikate. Wir können schöne Fotos machen. Alle bedanken sich wieder mit einem Seidenschal – es ist sehr anrührend, denn irgendwie gehören wir schon zu dieser Gemeinschaft.