Unterricht in Chyangmityang

In der jetzt folgenden Woche wird der Unterricht immer morgens sieben Uhr beginnen und gegen elf Uhr enden. Phuri Lama hat die von uns zusammengestellten Unterrichtsmaterialien für alle 17 Teilnehmer kopiert und vorbereitet.

Wir beginnen mit Fragen zum letzten Kurs: gab es praktischen Nutzen, wurde das Gelernte umgesetzt, sind neue Fragen aufgetaucht. Lebhaft wird berichtet, Phuri übersetzt bildhaft und engagiert.

Erneut ist das erste große Thema „Hygiene“. Wo kommen Krankheiten her, wie kann man vorbeugen, wo lauern Gefahren? Etwa ein Drittel der Kursteilnehmer ist neu. Es sind die gestandenen Mütter und Großmütter des Dorfes, die sich wohl letztes Jahr noch nicht recht trauten. Jetzt diskutieren und fragen sie, dass es eine Freude ist!

Die anderen von uns vorbereiteten Themen sind Wiederholung und Erweiterung „Erste Hilfe“, also Verletzungs-, Blutungs- und Frakturarten, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Von einem Freund und Kollegen hatten wir elastische Binden geschenkt bekommen. Die kommen nun bei den praktischen Übungen zum Einsatz. Jeder Teilnehmer erhält zwei mit der Aufforderung geschenkt, zu Hause weiter zu üben und am nächsten Tag das Können zu zeigen. Das nehmen alle sehr ernst und wir sind beeindruckt von dem Eifer. Infektionskrankheiten, Durchfall, Wurmerkrankungen – immer wieder schließt sich der Kreis zu den Hygienefragen. Gerade die Mütter wollen möglichst genau wissen, wie sie ihre Kinder schützen können.

Für einen ganzen Lehrgangstag hatte ich das Thema „home care“ vorbereitet, häusliche Krankenpflege. Was kann man ohne Arzt und ohne Medikamente tun? Viele uns geläufige Hausmittel sind da unbekannt, z.B. Wadenwickel bei Fieber. Zunächst ist aber zu klären, was Fieber für ein Symptom ist und ab welcher Höhe Temperaturen gefährlich werden. Für die Teilnehmer  haben wir Fieberthermometer dabei. Das exakte Messen ist gar nicht so einfach und es dauert etwas, bis alle verstanden haben worum es geht. Als ich dann an Rainers Männerwade den Wadenwickel demonstriere, löst das große Heiterkeit bei den Frauen aus! „Inhalieren“ ist der nächste Schwerpunkt – bei welchen Symptomen, womit, wie oft? Vor allem Kinder haben oft Husten, einerseits wegen der Erkältungen durch unzureichende Bekleidung und andererseits wegen der Rauchbelastung durch offenes Feuer in den Häusern. Die wenigsten haben einen Rauchabzug, so dass zumindest der Küchenraum oft sehr belastet ist. Deutlich ist die Reaktion auf den Halswickel mit gekochten Kartoffeln bei geschwollenen Lymphknoten oder Mumps: dafür sind Kartoffeln zu wertvoll – man kann sie danach an die Tiere verfüttern (?) – auch dafür sind sie zu wertvoll; also ein „Wohlstandshausmittel“!

Interessant ist, dass Kräutertees in verschiedenen Zusammensetzungen selten genutzt werden, obwohl es eine Fülle von Kräutern gibt.

Der Alltag hier ist mit großen körperlichen Belastungen verbunden. Feldarbeit, Brennholz sammeln, Bau- und Reparaturarbeiten – alle benötigten Materialien werden auf dem Rücken transportiert und entsprechende Beschwerden haben die Menschen. In einem weiteren Unterrichtsabschnitt befassen wir uns deshalb mit entlastenden Strategien und korrekter Arbeitshaltung. Die Diskussion ist spannend, weil es natürlich auch hier das Prinzip „haben wir schon immer so gemacht“ gibt. Als praktische Anregung nehme ich den auch uns bekannten Reisigbesen aus der Ecke und erkläre, dass er bei uns einen langen Stiel hat, wegen der Rückenentlastung…