Das Distrikt-Hospital und auf dem Weg nach Chyangmityang

Unser Freund und Dolmetscher Phuri Lama Sherpa von „Mountain Spirit Nepal“ erwartet uns schon. Gemeinsam mit seinem Onkel bringen wir die Packsäcke zur Lodge “ Numbur View“, die wir vom letzten Jahr schon kennen.

 

Nach gehabtem Schrecken erholen wir uns etwas und sehen dann das Distrikt-Hospital an, mit dem wir perspektivisch eine engere Zusammenarbeit anstreben. Ein junger Arzt führt uns herum, zeigt, erklärt und visitiert mit Rainer die Patienten. Das macht alles einen sehr guten Eindruck.

Am anderen Morgen wollen wir uns zeitig auf den Weg nach Chyangmityang machen. Mindestens fünf Stunden Fußmarsch mit knapp 1000 Höhenmetern Aufstieg und etwa 800 Abstieg liegen vor uns.

Sieben Uhr gehen wir los. Phuri Lama und die beiden Träger, die unser Gepäck und die Unterrichtsmaterialien bringen, kommen später nach. In der Morgensonne geht es stetig bergauf. Die Rhododendren-Wälder stehen hier oben noch in voller Blüte – ein wunderbarer Anblick! Oben auf der Passhöhe angekommen ereilt uns ein Gewitterschauer, den wir in einem Teehäuschen abwarten. Letzten Herbst stand hier nur ein mit Plastikplanen abgedeckter Bretterverschlag, innen voll Rauch vom offenen Feuer. Nun sind es schon zwei deutlich komfortablere Häuschen. Erklären lässt sich diese Veränderung mit dem Bau einer Straße von Phaplu nach Chyangmityang, der in vollem Gang ist. Mit Brachialgewalt frisst sich der Bagger durch Gestein und Sträucher, kippt Bäume den Abhang herunter und zertrümmert Felsbrocken. Von dieser Entwicklung wussten wir nichts und sind nun auf Phuris Erklärungen gespannt: die Bewohner der Orte hatten Geld gesammelt und mit Genehmigung der Distriktverwaltung die Straße in Auftrag gegeben.

Sie wird viel Veränderung in die Region bringen und auch für unsere „Village clinic“ eröffnen sich völlig neue Perspektiven!

Im Dorf angekommen werden wir mit großem „Hallo“ und sehr herzlich begrüßt. Wir bekommen Buttertee, Phuri und die beiden Träger bauen im nächsten Gewitter das Zelt für uns auf. Es ist deutlich komfortabler als das vom letzten Jahr und hält hoffentlich allen Belastungen stand.

Letztes Jahr hatten wir versprochen, für jeden Haushalt im Dorf einen Wassereimer mit Wasserhahn zu besorgen, damit die Hygiene im Alltag etwas leichter praktiziert werden kann. „Mountain Spirit Deutschland“ gab das Geld, Phuri Lama kaufte ein und nun bringen die Träger am nächsten Morgen die 40 Eimer zur „Village clinic“, wo sie zusammengesetzt und  verteilt werden. Ein schöner Vormittag: alle Dorfbewohner sind gekommen, mit vielen gibt es eine herzliche Begrüßung, Reden werden gehalten, dann verteilen wir streng nach Liste die Eimer. Anschließend  besprechen wir den Ablauf des Lehrgangs und gehen dann mit zur Dorfschule. Im Schulhof ist Versammlung, weil der Verlauf der neuen Straße durch das Dorf diskutiert werden muss – alle wollen sie, aber möglichst nicht vor dem eigenen Haus! In Anzahl und Lautstärke gleichwertig diskutieren Frauen und Männer, Kinder kommen mit großen Teekannen für den Durst zwischendurch, Babys werden gestillt… Irgendwann ist die Einigung da und die Versammlung löst sich auf.